Zwangserkrankungen im Erwachsenenalter bei Kindern mit Tourette-Syndrom
Yale Child Study Center and General Clinical Research Center,
Yale University School of Medicine USA, April 2003
Beim Tourette-Syndrom handelt es sich um
eine im Kindesalter einsetzende neuropsychiatrische Erkrankung,
die durch motorische und vokale Tics charakterisiert wird.
Die Hälfte bis zwei Drittel der Kinder mit Tourette Syndrom erfahren
während der Pubertät eine Reduktion oder ein vollständiges
Verschwinden der Tic-Symptome. Wenigstens ein Drittel der
Erwachsenen mit Tourette Syndrom weisen komorbide Zwangserkrankungen auf.
Das Ziel der vorliegenden Studie war es,
den klinischen Verlauf von Tic- und Zwangs-Symptomen in
Kindern abzuklären und zu bestimmen, ob klinische Basismessungen
in der Kindheit mit der Schwere der Symptome in der späten
Pubertät und dem frühen Erwachsenenalter assoziiert
sind. An der Studie nahmen 46 Kinder mit Tourette Syndrom
teil, die vor ihrem 14. Lebensjahr eine genaue klinische
Evaluierung erfahren hatten. Im Mittel 7,7 Jahre später
(3,8-12,8) erfolgte eine erneute Bewertung der Schwere von
Tic- und Zwangssymptomen durch Experten. 85 % der Personen
berichteten von einer Minderung der Tic-Symptomatik während
der Pubertät. Nur bei einer verstärkten Tic-Schwere
in der Kindheit zeigte sich auch bei den Nachsorgeuntersuchungen
eine vermehrte Tic-Schwere. Das Durchschnittsalter mit der
schlimmsten Tic-Symptomatik lag bei 10,6 Jahren. 41 % der
Patienten mit Tourette Syndrom berichten von wenigstens
leichten Zwang-Symptomen, wobei die stärkste Ausprägung
der Zwangs-Symptomatik ca. 2 Jahre nach der stärksten
Tic-Symptomatik erlebt wird. Ein erhöhter IQ in der
Kindheit ist häufig mit einer erhöhten Zwangssymptomatik
bei späteren Untersuchungen assoziiert.
Zusammenfassend lässt sich sagen,
dass Zwangserkrankungen in Kindern mit Tourette Syndrom erst in einem
späteren Alter sich verstärken und eher als die
Tic-Symptomatik auch im Erwachsenenalter erhalten bleiben.