Zusammenhang zwischen Psychopharmaka
und dem BMI (body mass index) bei der Behandlung von Tics
J Child Adolesc Psychopharmacol. 2010
Department of Neurological Sciences, Rush University Medical
Center, Chicago, Illionois 60612, USA
Die Therapie mit Psychopharmaka kann mit einer Gewichtszunahme
einhergehen und Neuroleptika der zweiten Generation (untypische
Neuroleptika) können das Risiko für Diabetes
und Dyslipedämien (Störungen des Fettstoffwechsels)
erhöhen. Diese Risiken wurden bislang nicht bei Patienten
mit Tics bewertet, die niedrigere Dosen an Psychopharmaka
einnehmen als zur Therapie von Psychosen verwendet werden.
Das Ziel der vorliegenden Studie war es, die Beziehung
zwischen der Einnahme von Psychopharmaka und Körpergewicht
bei Tic-Patienten zu untersuchen und den Effekt der untypischen
Neuroleptika mit dem typischer Neuroleptika der ersten
Generation zu vergleichen. Die Autoren untersuchten den
Zusammenhang zwischen der Einnahme von Psychopharmaka
und dem BMI in Tic-Patienten einer Klinik für Bewegungsstörungen.
Größe und Gewicht wurden von 198 Patienten
aufgezeichnet, die im Mittel 19.9 +/- 14.0 Jahre alt waren.
128 Personen wurden mit Psychopharmaka behandelt und 70
nicht. Die standardisierten Messungen des BMIs waren bei
den mit Psychopharmaka behandelten Patienten signifikant
höher (0.56+/-1.10) als bei den nicht behandelten
(-0.31+/-0.82).Dieser Unterschied blieb auch nach einer
Regulation in Bezug auf Alter, Geschlecht, Stimulantien-Medikation
und Comorbiditäten wie ADHS und Zwangserkrankungen
signifikant. Begleitende Medikationen beeinflussten das
Gewicht nicht unabhängig und es gab keinen Unterschied
zwischen typischen und nicht-typischen Neuroleptika. Die
Dosis der Psychopharmaka, ausgedrückt in Chlorpromazin-Äquivalenten
sowie die Dauer der Therapie beeinflussten das Gewicht
nicht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Patienten
mit Tics, die primäre oder sekundäre Psychopharmaka
einnehmen, höhere BMIs haben als Patienten ohne Therapie.
Ein besseres Wissen dieses Risikos sollte Ärzten
bei der Entscheidungsfindung im Rahmen der Therapie von
Tic-Patienten helfen.