Gilles de la Tourette-Syndrom
täuscht eine Essstörung vor
Turk Psikiyatri Derg. 2007 Winter
Erbrechen und Würgen, sind Verhaltensweisen,
die bei verschiedenen Krankheiten vorkommen. Selten ist
Erbrechen in Wahrheit ein Tic und kann Ärzte und andere
Personen in der Diagnostik irreführen, wenn dies nicht
erkannt und eine Fehldiagnose in bezug auf psychiatrische
oder medizinische Erkrankungen gestellt wird.
Die Autoren berichten von einem 18 Jahre
alten männlichen Patienten, der Erbrechen als Hauptsymptom
zeigte. Anfänglich wurde eine Essstörung diagnostiziert.
Der Patient war zunächst nicht in der Lage, das Erbrechen
zu unterdrücken, doch später erzwang er das Erbrechen,
indem er sich einen Finger in den Hals steckte. Dieses selbst
induzierte Erbrechen hatte etwas Zwanghaftes und erfolgte
nahezu nach jeder Mahlzeit. Psychiatrische Untersuchungen
offenbarten eine spezielle Sequenz eines dem Erbrechen vorausgehendes
epigastrisches Gefühl, sowie eine Erleichterung nach
dem Erbrechen.
Seine Krankengeschichte zeigte, dass er
als Kind motorische Tics (Copropraxie, die aus der Berührung
der Genitalien bestand, ein beidseitiges Grimassieren und
plötzliche Kopfbewegungen) und vokale Tics (Schniefen
und Gurgeln) hatte. Außerdem war er als Kind wegen
ADHS mit Methylphenidat behandelt worden und litt an einer
Zwangssymptomatik. Sein Erbrechen wurde daraufhin als Tic
im Rahmen von Tourette-Syndrom gewertet. Sein Score auf
der Yale Global Tic Severity Scala fiel von 74 bei der ersten
Bewertung auf 50 nach 4 Wochen Therapie mit Risperdal (0,5
mg/Tag) und Sertralin (25 mg/Tag) (Anmerkung des Übersetzers:
gehört zu den SSRIs). Als Nebenwirkungen traten sexuelle
Dysfunktionen und Sedierung auf. Erbrechen ist eine seltene
Tic-Manifestation, doch sollte sie in Erwägung gezogen
werden, sofern der Patient eine Geschichte mit Tics aufweist