Das Gilles de la Tourette Syndrom: Eine Faktorenanalyse
prinzipieller Komponenten in einem großen Stammbaum
Robertson MM, Cavanna AE.
Department of Mental Health Sciences, University College
London Department of Neuropsychiatry, The National Hospital
for Neurology and Neurosurgery, London, UK Department of
Neurology, Amedeo Avogadro University, Novara, Italy
Psychiatr Genet. 2007
Die Genetik sowie die Phänotypen des
Tourette-Syndroms sind kompliziert. Während man früher
davon ausging, dass es als einzelne autosomal dominante
Bedingung vererbt wird, wurden inzwischen verschiedene Bereiche
auf mehreren Chromosomen, die von Interesse sind sowie ein
Gen für das Tourette Syndrom identifiziert aber keine Ergebnisse
konnten repliziert werden.
Faktorenanalysen lassen vermuten, dass
es mehr als einen Phänotypen des Tourette Syndrom gibt
und dass es sich nicht um einheitliche Bedingungen handelt.
Das Ziel der Studie war es, die Phänotypen des Tourette
Syndrom in einer Gruppe von Individuen, deren Genom analysiert
wurde, zu charakterisieren. Die Autoren untersuchten 85
Mitglieder einer mehrfach betroffenen Verwandtschaft über
mehrere Generationen, von denen 69 Tourette Syndrom-Symptome
zeigten (Tics, Zwangsverhalten, ADHS) mit zuerst einer hierarchischen
Cluster-Analyse gefolgt von einer Faktorenanalyse der prinzipiellen
Komponenten. Es ergaben sich drei signifikante Faktoren,
die für ca 42 % der Symptom-Varianz verantwortlich
sind: Faktor 1 (vorwiegend reine Tics), Faktor 2 (vorwiegend
ADHS und aggressives Verhalten) und Faktor 3 (vorwiegend
Depressionen, Ängste Zwangssymptomatik und Selbstverletzungen).
Unterschiedliche Arten von Tics kamen bei sämtlichen
3 Faktoren vor. Lediglich Stirnrunzeln, Hochziehen der Augenbrauen
und Schniefen finden sich vorwiegend bei Faktor 1 und 3.
Die Ergebnisse geben weitere Hinweise darauf,
dass die Genetik des Tourette Syndroms sehr komplex ist,
dass es sich beim Tourette Syndrom nicht um eine einheitliche
Krankheit handelt, sondern dass verschiedene Phänotypen
existieren Obwohl eine Analyse des Genoms der Großfamilie
ergab, dass es drei Bereiche von Interesse gibt und die
vorliegende Studie drei Faktoren aufzeigte, müssen
weitere Untersuchungen unternommen werden, um zu analysieren,
ob die drei Faktoren den genetischen Regionen entsprechen.
Mögliche Ursachen für die Befunde werden diskutiert.