Prospektive
randomisierte Doppelblind-Studie einer bilateralen tiefen
Hirnstimulation des Thalamus bei Erwachsenen mit Tourette-Syndrom
Deutsche Übersetzung:
Department of Neurosurgery, Neurological
Institute, University Hospitals Case Medical Center, Cleveland,Ohio
44106, USA
J Neurosurg. 2007 Nov
Die Schwere des Tourette-Syndroms ist kurz
vor der Pubertät am stärksten und nimmt danach
ab. Bei einigen Patienten schreitet das Tourette Syndrom auch im Erwachsenenalter
noch weiter fort und erweist sich als therapieresistent,
was eine Therapie mit Medikamenten anbelangt.
Der Autor führte eine prospektive
randomisierte Doppelblind-Studie mit einer bilateralen tiefen
Hirnstimulation (DBS, deep brain stimulation) durch. Bilateral
wurden Elektroden im Bereich des Thalamus implantiert. Ein
unabhängiger Programmierer ermittelte in einer einzelnen
Sitzung die optimalen Stimulationsbedingungen. Subjektive
und objektive Ergebnisse wurden über 4 Wochen erfasst,
wobei jede Woche eine von vier Arten einer unilateralen
oder bilateralen Stimulation erfolgte.
Außerdem wurden die Ergebnisse 3
Monate nach einer nicht als Blind-Studie durchgeführten
bilateralen Stimulation während wiederholter Sitzungen
erfasst. In der randomisierten Phase der Studie zeigte sich
eine signifikante Reduktion bzgl. der Einstufung des Tourette
Syndrom bei bilateraler Stimulation (modifizierter Rush
Video-Based Rating Scale Score).
Eine Verbesserung zeigte sich bei motorischen
und vokalen Tics sowie auf der Yale Global Tic Severity
Scala und der Liste der Tourette Syndrom-Symptomatik. Der
positive Effekt hielt auch nach 3 Monaten einer offenen
Stimulator-Programmierung an. Auch die Lebensqualität
der Patienten wurde verbessert. Drei von fünf Patienten
zeigten deutliche Verbesserungen in sämtlichen gemessenen
primären und sekundären Ergebnissen.
Zusammenfassend lässt sich sagen,
dass eine bilaterale Stimulation des Thalamus die Tic-Frequenz
und die Tic–Schwere in Tourette Syndrom-Patienten
reduziert, bei denen ansonsten keine Therapie wirksam war.