Langzeit-Ergebnis einer tiefen
Hirnstimulation des Thalamus bei zwei Patienten mit Tourette-Syndrom
Department of Neurosurgery, Maastricht University Medical
Centre, Oxfordlaan 10, Maastricht, The Netherlands
J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2010
Eine tiefe Hirnstimulation des Thalamus
bei schwer zu bewältigendem Tourette-Syndrom wurde
1999 durch Vandewalle eingeführt. In der vorliegenden
Studie berichten die Autoren von Langzeitergebnissen (6
und 10 Jahre) im Hinblick auf Tic-Reduktion, Kognition,
Stimmung und Nebenwirkungen einer tiefen Hirnstimulation
des mittleren Thalamus bei zwei bereits früher beschriebenen
Tourette-Patienten. Die Autoren verglichen die Ergebnisse
von zwei Patienten 6 und 10 Jahre nach dem operativen Eingriff
mit ihrem präoperative Status sowie mit dem Status
nach 8 Monaten und 5 Jahren nach der Therapie. Standardisierte
Videoaufzeichnungen wurden von drei unabhängigen Personen
bewertet. Beide Patienten unterzogen sich zu jedem Bewertungszeitpunkt
neuropsychologischen Untersuchungen.
Es zeigte sich, dass die Tic-Reduktion,
die sich bei Patient 1 nach 5 Jahren gezeigt hatte (90,1%)
auch nach 10 Jahren noch anhielt (92.6%). Bei Patient 2
verminderte sich die nach 8 Monaten beobachtete Tic-Reduktion
(82%) nach 6 Jahren etwas auf 78%. Während der Nachsorge
zeigte Patient 1 keine Veränderungen hinsichtlich der
Kognition während Patient 2 eine Abnahme im Wortfluss
und beim Lernen zeigte, was mit den subjektiven Empfindungen
des Patienten übereinstimmte. Gleichzeitig zeigte Patient
2 eine leichte Abnahme der Depression doch war die Gesamt-Psychopathologie
auch sechs Jahre nach der Operation noch hoch mit einer
Zunahme von Ängsten, und Aggressionen zusammen mit
Schwierigkeiten hinsichtlich der sozialen Adaptation. Außer
temporärer, durch Hardware-Probleme verursachten Komplikationen
wurden keine besorgniserregenden Nebenwirkungen beobachtet.
Zusammenfassend lässt sich sagen,
dass die bilaterale Stimulation des Thalamus nach wenigstens
6 Jahren zu einer anhaltenden Tic-Verbesserung führt,
doch um das Gesamtergebnis zu maximieren, sollte man bereits
vor der Operation an postoperative psychosoziale Adaptationen
denken.