Klinische Analyse des Gilles
de la Tourette Syndroms auf der Basis von 126 Fällen
in Polen
Neurol Neurochir Pol. 2007 September-October
Department of Neurology, ul. Banacha 1a, 02-097 Warsaw
Das Gilles de la Tourette Syndrom wird
durch multiple motorische und vokale Tics charakterisiert.
Das Ziel der vorliegenden Studie war es, die Frequenz partieller
klinischer Symptome in Patienten mit Tourette Syndrom zu
bewerten. 126 Individuen wurden analysiert. Verwendet wurde
ein kurzer Fragebogen, der die Krankheitgeschichte und neurologische
Untersuchungen beinhaltete. Es zeigte sich, dass Tourette
Syndrom häufiger bei männlichen Personen auftritt
als bei weiblichen (80%; 101/126). Das durchschnittliche
Alter des Krankheitsbeginns beträgt 7.6 (2-17) Jahre.
Das Einsetzen der Krankheit verläuft in der Regel langsam.
Zu einem plötzlichen Beginn kam es nur selten, gewöhnlich
nach Infektionen (11% (12/114)). In der Regel betrug die
Zeit zwischen Krankheitsbeginn und Diagnose 3.9 Jahre.
Bei den meisten Patienten waren die Tics
mäßig ausgeprägt (64%; 81/126). Leichte
bzw. schwere Tic-Intensitäten wurden bei 15% (19/126)
bzw. 21% (26/126) der Patienten berichtet. 77% (97/126)
der Tourette Syndrom-Patienten wiesen Komorbiditäten
auf. Störungen der Impulskontrolle, Schlafstörungen,
selbstverletzendes Verhalten und Koprolalie traten häufig
als Komorbidität auf. Die häufigste Komorbidität
war jedoch ADHD (59%; 74/126). Bei 46% (57/125) der Patienten
gab es bereits Fälle in der Familie, besonders bei
Tourette Syndrom-Patienten, bei denen die Krankheit bereits
im Alter von 2-4 Jahren einsetzte (70%; 14/20). Haloperidol
war bei der untersuchten Gruppe das am Häufigsten verordnete
Medikament (60%; 57/95). 22% (27/122) der Patienten erhielten
keine Medikation zur Behandlung der Symptome.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die
richtige Diagnose im Mittel nach 4 Jahren gestellt wird,
es häufig zu Komorbiditäten und Verhaltensauffälligkeiten
kommt und genetische Faktoren eine bedeutende Rolle spielen
können.