Dauer, negative Auswirkungen
und neuropsychologische Prädiktoren einer Tic Suppression
(Unterdrückung) in Kindern mit chronischen Tic-Erkrankungen
Department of Psychology, University of Wisconsin-Milwaukee,
2441 E. Hartford Avenue, Garland Hall Room 224, Milwaukee,
WI, 53211, USA
J Abnorm Child Psychol. 2008
Chronische Tic-Störungen werden durch
unfreiwillige motorische und vokale Tics charakterisiert,
die durch kontextabhängige Faktoren beeinflusst werden.
Neuere Forschungen haben gezeigt, dass
| a) |
Kinder für kurze Zeit die Tics unterdrücken
können, |
| b) |
die Suppression gesteigert wird,
wenn für die Tic-freien Zeiten eine programmierte
Verstärkung angeboten wird und |
| c) |
kurze Phasen einer Suppression nicht zu einem |
„Rebound“ (Zurückschnellen)
der Tic-Frequenz führt, wenn die aktive Tic-Suppression
beendet ist.
Die gegenwärtige Studie weitet diese
Forschungen weiter aus. Zuerst untersuchten die Autoren,
ob die Fähigkeit zur Tic-Suppression abnimmt, wenn
die Dauer der Suppression von 5 auf 25 oder 40 Minuten ansteigt.
Danach analysierten sie die Tic-Frequenz
nach einer Suppression, um der Frage nachzugehen, ob längere
Suppressionszeiten zu einem Rebound-Effekt führen und
schließlich suchten sie nach sogenannten neuropsychologischen
Prädiktoren (Anzeichen) der Tic-Suppression.
13 Kinder mit Tourette-Syndrom oder chronischen
Tic-Störungen nahmen an der Studie teil. Die Ergebnisse
zeigten, dass:
| a) |
die Tic-Suppression über alle
untersuchten Zeiten beibehalten werden konnte
|
| b) |
dass für keine der Zeiten
sogenannte Rebound-Effekte beobachtet werden konnten
und |
| c) |
dass die Fähigkeit zur Tic-Suppression in einem
CPT-Test (continuous performing test) mit Omissions-Fehlern
aber nicht mit Commissions-Fehlern korreliert. |
Anmerkung d.Übers:
Ein Continuous Performance Test (CPT) findet in zwei Versionen
Anwendung. Dabei werden einzeln und nacheinander in zufälliger
Abfolge entweder das Bild einer Katze oder eines Hundes
(bzw. Huhn oder Fuchs als Version B) präsentiert. Bei
einer spezifischen kritischen Sequenz (Hund, der unmittelbar
auf die Katze folgt bzw. Fuchs auf Huhn) soll reagiert werden
(„hit“), bei allen anderen Stimuli soll die
Reaktion unterdrückt werden. Die Anzahl der verpassten
Targets (Omission-Fehler) wird als Maß für die
Unaufmerksamkeit angesehen. Die Anzahl der falschen Alarme
(Commission-Fehler) gilt als Maß für die Impulsivität.
Auswirkungen dieser Befunde werden diskutiert.